Wer einen bulgarischen Namen ins Deutsche übertragen möchte, stößt schnell auf unterschiedliche Schreibweisen. So kann derselbe Name etwa als „Christoff“, „Christow“ oder „Hristov“ erscheinen. Der Grund dafür liegt in verschiedenen Regeln zur Übertragung kyrillischer Buchstaben in die lateinische Schrift – etwa Transkription, Transliteration oder internationale Normen wie ISO 9. In diesem Artikel erfahren Sie, welche Systeme es gibt und welche Schreibweise in Presse, Wissenschaft oder bei beglaubigten Übersetzungen in Deutschland verwendet wird.
Kyrillische Schrift und lateinische Umschrift
Im Bulgarischen, wie in vielen anderen slawischen Sprachen und sogar in einigen asiatischen Sprachen, wird die kyrillische Schrift verwendet. Die sogenannte Kyrilliza sieht in jeder Sprache ein bisschen anders aus – im Russischen zum Beispiel gibt es drei Buchstaben mehr als im Bulgarischen.

Wenn wir die lateinische Schrift mit der Kyrilliza vergleichen, erkennen wir vier Arten von Buchstaben:
- Buchstaben, die gleich geschrieben und ausgesprochen werden, zum Beispiel E und M
- Buchstaben, die gleich geschrieben, aber anders ausgesprochen werden, zum Beispiel H und P
- Buchstaben, die anders geschrieben, aber gleich ausgesprochen werden, zum Beispiel N und U
- Buchstaben, deren Form und Aussprache der lateinischen Schrift unbekannt sind, zum Beispiel Ю und Ж
Die kyrillischen Buchstaben werden im Deutschen hauptsächlich durch lateinische Buchstaben oder Buchstabenkombinationen, aber auch mithilfe anderer Symbole, Häkchen und Bögen wiedergegeben. Welche genau verwendet werden, hängt von der Situation ab. Je nach Methode unterscheidet man dabei zwischen Transkription und Transliteration.
Transkription vs. Transliteration
Was ist Transkription?
Unter Transkription (auch: Umschrift) versteht man in der Sprachwissenschaft die lautgetreue Übertragung (einer Schrift) in eine andere Schrift. Dabei werden zum Beispiel Wörter aus einer Sprache mit nicht lateinischer Schrift (Bulgarisch, Chinesisch etc.) mit lautlich ungefähr entsprechenden Zeichen des lateinischen Alphabets wiedergegeben.
Diese Umschrift erfolgt je nach Sprachkombination nach bestimmten Regeln. Für Sprachen, die kyrillische Buchstaben verwenden, werden in Deutschland die Transkriptionsregeln des Dudenverlags angewendet. Für die bulgarischen Buchstaben sehen diese so aus:

Nach diesen Regeln werden normalerweise bulgarische Namen in der Presse transkribiert:
Добромира Пенчева → Dobromira Pentschewa
Мария Гроздева → Marija Grosdewa
Живко Вангелов Атанасов → Schiwko Wangelow Atanassow
Früher gab es Transkriptions- bzw. Transliterationsregeln, nach denen der Buchstabe „ж“ als „sh“ und das „в“ am Ende eines Namens als „ff“ umgeschrieben wurden. Diese Schreibweise gilt es heute zu vermeiden, da sie als veraltet angesehen wird.
Eine Ausnahme bilden allerdings die Namen von Personen, für die sich bestimmte lateinische Schreibweisen bereits etabliert haben. Das ist zum Beispiel der Fall beim berühmten bulgarischen Opernsänger Борис Христов, dessen Name zu seiner Lebzeit nach den damaligen Regeln als „Boris Christoff“ transkribiert wurde. Für seinen Namen (und nur für diesen!) ist diese Schreibweise im Deutschen beizubehalten.
Eine weitere Ausnahme sind international sehr bekannte Namen wie Виктор oder Юлия, für die es bereits eingedeutschte Formen gibt. Diesen eingebürgerten Formen ist Vorrang zu geben, da die eigentlich korrekten Varianten für deutsche Leserinnen und Leser eher ungewohnt wären. So schreibt man „Viktor“ und „Julia“ statt „Wiktor“ und „Julija“.
Und wo liegt der Unterschied zur Transliteration?
Was ist Transliteration?
Die Transkription und die Transliteration sind zwei ähnliche Verfahren, allerdings ist das Hauptziel beim Transliterieren ein anderes. Während es bei der Transkription von Personennamen darum geht, diese möglichst lautgetreu zu wiedergeben, wird beim Transliterieren eine buchstabengetreue Übertragung erzielt.
Es geht bei der Transliteration also darum, jeden Buchstaben der Ausgangsschrift mit einem bestimmten Buchstaben (oder einer Buchstabenkombination, einem orthografischen Satzzeichen etc.) der Zielschrift zu umschreiben, sodass man die ursprüngliche Schreibweise des Namens immer ermitteln könnte.
Ähnlich wie bei der Transkription gibt es je nach Land und Sprache verschiedene Regeln für die Transliteration von Personennamen. In Bulgarien gilt zum Beispiel das Gesetz über die Transliteration (Закон за транслитерацията), in Deutschland – die Normen DIN 1460 und ISO 9.
Wann welches dieser Regelwerke Anwendung findet, schauen wir uns im nächsten Abschnitt an.
Das Gesetz über die Transliteration
Das bulgarische Gesetz über die Transliteration (Закон за транслитерацията) wurde 2009 erlassen und ist an den englischen Transliterationsregeln angelehnt.

Es regelt die Wiedergabe der Buchstaben des bulgarischen kyrillischen Alphabets mit lateinischen Buchstaben oder Buchstabenkombinationen. Dabei kommen keine orthographischen Satzzeichen oder diakritischen Zeichen zum Einsatz.
Was sind diakritische Zeichen?
Diakritische Zeichen sind kleine Satzzeichen wie Punkte, Striche, Häkchen, Bögen oder Kreise über oder unter einem Buchstaben. Sie signalisieren, dass dieser Buchstabe anders ausgesprochen oder betont wird als im Normalfall.
Beispiele: č, â, è, ç und andere.
Auch im Deutschen gibt es diakritische Zeichen, nämlich die Umlaute ä, ö, ü.
Die Vorschriften dieses Gesetzes werden unter anderem bei der offiziellen Transliteration bulgarischer Personennamen mit lateinischen Buchstaben in bulgarischen Personalausweisen, Reisepässen und sonstigen Dokumenten angewendet: Aus Живка wird „Zhivkа“, aus Христо – „Hristo“ und aus Цветелина – „Tsvetelina“.
Was in Bulgarien im Gesetz verankert ist, wird in Deutschland mit Normen geregelt. Wie war der Spruch noch mal? Ach ja: „Für alles gibt es eine Norm.“ In diesem Fall trifft es zu, denn in Deutschland erfolgt die Transliteration kyrillischer Buchstaben nach verschiedenen Normen. Diese schauen wir uns als Nächstes genauer an.
DIN 1460 – der Standard der Wissenschaft und der Bibliotheken
Der erste Entwurf dieser Norm stammt aus dem Jahr 1953 und wurde vom Deutschen Institut für Normung (DIN) veröffentlicht. Seitdem hat sie mehrere Revisionen erfahren, bevor sie mit den aktuellen Teilen (Teil 1 und Teil 2) aus dem Jahr 2021 modernisiert wurde.
Der erste Teil dieser Norm „legt die Transliteration kyrillischer Alphabete slawischer Sprachen durch lateinische Schriftzeichen […] fest“ und ist in Deutschland als wissenschaftliche oder auch bibliothekarische Transliteration bekannt. Sie setzt Buchstabenkombinationen, Satzzeichen sowie diakritische Zeichen ein, um die kyrillischen Buchstaben mit lateinischen zu wiedergeben:

Die DIN 1460 wird primär in wissenschaftlichen Arbeiten oder bei der Wiedergabe von Titeln slawischsprachiger Bücher in Bibliothekskatalogen verwendet. So wird zum Beispiel der Name der bulgarischen Dichterin Елисавета Багряна als „Elisaveta Bagrjana“ transliteriert.
Im Vergleich zur Duden-Transkription bietet diese Norm eine eindeutigere Umschrift der kyrillischen Personennamen. Trotzdem ist hier die exakte Rekonstruktion der ursprünglichen Schreibweise – die sogenannte Rücktransliteration – nicht immer möglich.
Aus diesem Grund nutzen die deutschen Gerichte und Behörden eine andere Norm für die Übertragung bulgarischer Namen ins Deutsche – die ISO 9.
ISO 9:1995 – der internationale Standard
Die ISO 9 ist eine internationale Norm der International Organization for Standardization (ISO), die ursprünglich als Empfehlung ISO/R 9 und schließlich 1995 – nach mehrfacher Überarbeitung – in ihrer heutigen Fassung ISO 9:1995 veröffentlicht wurde. Sie legt die „Transliteration kyrillischer Buchstaben in lateinische Buchstaben“ für die internationale, insbesondere elektronische, Kommunikation fest.
Die Besonderheit dieser Norm besteht darin, dass sie für jeden kyrillischen Buchstaben einen einzigen lateinischen Buchstaben bzw. ein einziges Satzzeichen vorschreibt. Das ermöglicht die eindeutige und fehlerfreie Rekonstruktion der ursprünglichen Schreibweise von Namen.
Diakritische Zeichen wie Häkchen und Bögen kommen hier auch zum Einsatz, um auf die besondere Aussprache einiger Buchstaben hinzuweisen.

Nach diesem Standard würde der Name der bulgarischen Dichterin „Elisaveta Bagrâna“ lauten.
Welche Schreibweise gilt für Behörden in Deutschland?
Wenn Urkunden in Deutschland aus einer Sprache beglaubigt übersetzt werden, die kyrillische Buchstaben nutzt, muss die Übertragung von Personennamen (wie Vor- und Familiennamen, Geburtsnamen) zwingend nach ISO 9 erfolgen.
Eine Ausnahme von dieser Vorschrift ist möglich, wenn sich die lateinische Schreibweise bereits aus einer Personenstandsurkunde oder einer anderen öffentlichen Urkunde des Heimatstaats ergibt, etwa aus einem Reisepass. In diesem Fall ist nach Nr. A 4.2 der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift zum Personenstandsgesetz (PStG-VwV) diese Schreibweise maßgebend.
Das bedeutet konkret, dass in beglaubigten Übersetzungen von Personenstandsurkunden die lateinische Schreibweise eines bulgarischen Namens nach Personalausweis oder Reisepass verwendet werden sollte.
In der Praxis verlangen manche Behörden jedoch die Umschrift nach ISO 9:1995. Um Missverständnisse beim Dokumentenabgleich zu vermeiden, kann es deshalb sinnvoll sein, beide Schreibweisen anzugeben – zum Beispiel die ISO-9-Form im Fließtext und die Passschreibweise in einer Anmerkung oder umgekehrt.
Mehr zu den Besonderheiten der beglaubigten Übersetzung von Urkunden können Sie hier lesen.
Die Transkriptions- und Transliterationsregeln im Überblick
In der unteren Tabelle sehen Sie die verschiedenen Normen und Regeln, nach denen bulgarische Namen ins Deutsche übertragen werden:
| Duden (Transkription) | DIN 1460 | ISO 9 | Gesetz über die Transliteration (Bulgarien) | Ausnahmen (eingebürgerte Schreibweisen) |
| Elisaweta Bagrjana | Elisaveta Bagrjana | Elisaveta Bagrâna | Elisaveta Bagryana | xxx |
| Boris Christow | Boris Hristov | Boris Hristov | Boris Hristov | Boris Christoff |
| Dobromira Pentschewa | Dobromira Penčeva | Dobromira Penčeva | Dobromira Pencheva | xxx |
Wie wird nun mein bulgarischer Name korrekt auf Deutsch geschrieben?
Wie Übersetzerinnen und Übersetzer oft sagen, lautet die Antwort auf diese Frage: Es kommt darauf an.
Die Variante in lateinischen Buchstaben in Ihrem Personalausweis stimmt nur in bestimmten Fällen mit der richtigen Schreibweise auf Deutsch überein.
Wenn eine deutsche Zeitung einen Artikel über Sie veröffentlicht, sollte Ihr Name in der Regel gemäß den Transkriptionsregeln des Dudenverlags übertragen werden, damit die Lesenden ihn möglichst genau aussprechen können. Ausnahmen hiervon kommen allerdings oft vor.
Wenn Sie ein Buch auf Bulgarisch geschrieben haben und dieses im Katalog einer deutschen Bibliothek erfasst werden soll, wird Ihr Name in der Regel gemäß der Norm DIN 1460 umgeschrieben.
Und wenn Sie ein bulgarisches Dokument bei den Behörden in Deutschland einreichen möchten, muss Ihr Name in der deutschen Übersetzung gemäß der internationalen Norm ISO 9 gegebenenfalls mit dem zusätzlichen Hinweis auf die Schreibweise nach Personalausweis übertragen werden.
HÄUFIG GESTELLTE FRAGEN
Wie werden bulgarische Namen ins Deutsche übertragen?
Bulgarische Namen werden von der kyrillischen in die lateinische Schrift übertragen. Dabei gibt es verschiedene Verfahren, zum Beispiel die Transkription nach den Regeln des Duden oder die Transliteration nach internationalen Normen wie ISO 9.
Welche Schreibweise gilt in deutschen Behörden?
Bei beglaubigten Übersetzungen für Behörden und Gerichte in Deutschland wird die Transliteration in der Regel nach der internationalen Norm ISO 9:1995 vorgenommen. Wenn im Reisepass bereits eine lateinische Schreibweise vorhanden ist, wird häufig diese verwendet.
Warum gibt es verschiedene Schreibweisen bulgarischer Namen?
Unterschiedliche Schreibweisen entstehen, weil es mehrere Systeme zur Übertragung kyrillischer Buchstaben gibt. Presse, Wissenschaft und Behörden nutzen jeweils eigene Regeln, weshalb derselbe Name unterschiedlich erscheinen kann.
Welche Schreibweise steht im bulgarischen Reisepass?
Im bulgarischen Reisepass werden Namen nach dem bulgarischen Gesetz über die Transliteration in lateinische Buchstaben übertragen. Diese Schreibweise orientiert sich an englischen Umschriftregeln.