Gute Übersetzerin finden – worauf sollte man achten

Was unterscheidet gute Übersetzerinnen und Übersetzer von allen anderen? Wie kann man überhaupt wissen, ob sie qualifiziert sind? Darum geht es in diesem Beitrag: Ich gebe Ihnen ein paar Tipps, woran Sie professionelle Übersetzerinnen und Übersetzer erkennen und wo sie zu finden sind.

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Die Ausgangssituation

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Wenn Sie jemals eine Übersetzung gebraucht haben und noch nie mit einem Übersetzer oder einer Übersetzerin für diese Sprache gearbeitet haben, kennen Sie mit Sicherheit die folgende Situation:

Meistens fragt man sich zuallererst, ob man den Text nicht der KI übergeben kann – schließlich wird die KI angeblich immer besser und kann mittlerweile sehr gute Ergebnisse liefern. Man probiert es und stellt fest, dass – wenn der Text nicht sehr einfach und standardisiert ist – die KI das doch nicht so gut meistert. Die Übersetzung ist zwar brauchbar, aber irgendwie doch nicht so gut, wie man sie gerne hätte – wenn man ihre Qualität überhaupt selbst einschätzen kann.

Übrigens: Auch wenn das KI-Ergebnis auf dem ersten Blick gut aussieht, würde ich Ihnen stark davon abraten, die automatisch angefertigte Übersetzung ohne nachträgliche Kontrolle durch eine Fachperson zu verwenden. Manchmal sind es Kleinigkeiten oder kulturelle Feinheiten, die über die Qualität eines Textes entscheiden. Und diese „sieht“ und „versteht“ die KI nicht.

Nachdem man mit der KI nicht weitergekommen ist, macht man sich auf die Suche nach einem Übersetzer. In den meisten Fällen sucht man online und stellt fest, dass es unzählige Menschen gibt, die Übersetzungsdienstleistungen anbieten. Alle sprechen von Professionalität und versprechen höchste Qualität. Es gibt auch noch Übersetzungsagenturen, die Sprachdienstleistungen in fast allen Sprachen der Welt anbieten.

Dann stellt sich die Frage: Wie soll ich mich denn für einen davon entscheiden? Vertraue ich einer Person oder einer Agentur? Und wie weiß ich, ob die Person oder die Agentur das wirklich gut kann?

Fangen wir beim Unterschied zwischen Übersetzungsbüros und Übersetzern an.

Was macht ein Übersetzungsbüro?

Übersetzungsbüros sind eine Art Vermittler zwischen dem Kunden und dem Übersetzer. Sie arbeiten mit einem Netzwerk aus internen und externen Übersetzerinnen und Übersetzern für verschiedene Sprachen und sind dafür zuständig, die Anforderungen am Projekt mit dem Kunden zu besprechen und einen passenden Sprachmittler zu finden. Die meisten Agenturen bieten auch eine sogenannte Qualitätssicherung (QA) durch einen zweiten Übersetzer oder einen Lektor an, der den Text auf Inhaltsfehler, Grammatik, Stil etc. prüft.

Allerdings bleiben die Übersetzer und Lektorierenden dabei anonym – man weiß also nicht, wen das Büro mit der Übersetzung oder dem Lektorat beauftragt und ob die jeweilige Person tatsächlich qualifiziert ist. Die Projektmanager, die in Übersetzungsbüros arbeiten, sind meist selbst keine Fachpersonen; sie können also nicht einschätzen, ob die Qualität der gelieferten Übersetzung wirklich gut ist.

Professionelle Übersetzerinnen und Übersetzer dagegen sind durchaus in der Lage, eine hohe Qualität der Übersetzung zu gewährleisten, und können bei Bedarf auch die nachträgliche Kontrolle durch eine Kollegin oder einen Lektor (4-Augen-Prinzip) organisieren. Zudem verläuft die Kommunikation viel schneller und meist effizienter, da man mit seiner Übersetzerin direkt sprechen kann, statt mit einem Projektmanager, der die Informationen hin- und herübermittelt.

Jetzt wissen Sie, was Übersetzerinnen und Übersetzer von Übersetzungsagenturen unterscheidet. Als Nächstes schauen wir uns die Qualifikationen an, die gute Sprachmittler besitzen sollten.

Welche Kompetenzen sollten gute Übersetzer besitzen?

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Oft nimmt man an, dass Menschen, die zwei oder mehr Sprachen gut beherrschen, automatisch auch gut zwischen diesen Sprachen übersetzen können. Diese Annahme erscheint zunächst schlüssig, doch sie greift zu kurz.

Professionelle Übersetzerinnen und Übersetzer bringen weit mehr mit als bloß sehr gute Sprachkenntnisse. Im Idealfall besitzen sie ein Bündel an Kompetenzen, das dafür sorgt, dass die Übersetzung nicht nur korrekt, sondern wirklich passend für ihre Funktion, Zielgruppe und den jeweiligen Kontext ist.

Die wichtigsten dieser Kompetenzen sind:

  • Sprach- und Textkompetenz
    Gute Übersetzerinnen und Übersetzer verstehen komplexe Texte, erkennen Stil, Struktur und Intention und können diese in der Zielsprache zuverlässig und kontextgerecht wiedergeben, sodass sich die Übersetzung nicht als solche liest.
  • Interkulturelle Kompetenz
    Jede Sprache ist tief in ihrer Kultur verwurzelt. Professionelle Übersetzerinnen und Übersetzer wissen, wie Inhalte in der Zielsprache wirken, welche Nuancen wichtig sind und was zu Missverständnissen führen könnte.
  • Fachwissen im jeweiligen Themengebiet
    Ob Technik, Medizin, Recht oder Marketing: Ohne solides Hintergrundwissen und sichere Terminologiearbeit entstehen Fehler, die später teuer oder peinlich werden können. Fachkompetenz ist deshalb unverzichtbar.
  • Transferkompetenz
    Gute Übersetzerinnen und Übersetzer übertragen nicht Wort für Wort, sondern sinn- und zielorientiert: Sie erstellen einen Text, der in der Zielsprache eine äquivalente Funktion erfüllt und auf die Zielgruppe vergleichbar wirkt, ohne den Inhalt des Ausgangstextes zu verfälschen.
  • Technische Kompetenz
    In manchen Fachgebieten wie Technik ist die Arbeit mit modernen Translation-Memory-Systemen (CAT-Tools) oder anderen Tools notwendig, um Konsistenz, Terminologietreue und effiziente Abläufe sicherzustellen. Professionelle Übersetzerinnen und Übersetzer für diese Fachbereiche kennen sich mit den gängigen Technologien gut aus.

Mit anderen Worten: Ein guter Übersetzer ist nicht nur Sprachprofi, sondern auch Kulturvermittler, Fachexperte und mit den gängigen Übersetzungstechnologien sicher vertraut.

Nun wissen Sie, auf welche Fähigkeiten Sie achten sollten, wenn Sie nach einem Sprachmittler suchen. Wichtig ist aber auch zu wissen, woran man das festmachen kann.

Woran erkennt man eine gute Übersetzerin?

In Deutschland, wie in vielen anderen Ländern, ist „Übersetzer/in“ keine geschützte Berufsbezeichnung. Das bedeutet: Jeder darf sich so nennen – unabhängig von Ausbildung oder Berufserfahrung. Für Auftraggeber kann das zu großen Qualitätsunterschieden führen.

Eine Ausnahme hiervon stellen Urkundenübersetzerinnen und -übersetzer dar. Für sie gelten strenge Anforderungen: Sie müssen je nach Bundesland beeidigt, vereidigt oder ermächtigt sein. Diese Autorisierung erteilen in Deutschland die Gerichte nur, wenn Ausbildung, Sprachkompetenz sowie Kenntnisse der Gerichts- und Behördensprache nachgewiesen wurden.
Mehr zu den Besonderheiten der Urkundenübersetzung können Sie hier lesen.

Diese Merkmale helfen Ihnen, qualifizierte Übersetzerinnen und Übersetzer zu erkennen:

1. Nachweisbare Ausbildung oder staatliche Prüfung

Eine professionelle Ausbildung – etwa ein abgeschlossenes Übersetzerstudium, eine bestandene staatliche Prüfung oder eine fachbezogene Ausbildung – zeigt, dass die Person nicht nur Sprachen spricht, sondern professionell übersetzen kann.

2. Fachliche Spezialisierung

Besonders gute Übersetzerinnen und Übersetzer bieten nicht „alles für alle“, sondern arbeiten klar spezialisiert – zum Beispiel für Themen wie Recht, Technik, Medizin, Marketing, Urkunden etc. Sie kennen sich mit den marktspezifischen Anforderungen am jeweiligen Fachbereich sowie gegebenenfalls mit den gesetzlichen Vorschriften aus und können bei Bedarf auch eine Beratung anbieten.

3. Erfahrung

Erfahrung im jeweiligen Fachgebiet ist ein wesentlicher Qualitätsfaktor. Natürlich kann die langjährige Erfahrung manchmal fehlen, zum Beispiel bei „frisch gebackenen“ Übersetzerinnen und Übersetzern, die vor Kurzem ihr Studium abgeschlossen oder ihre Beeidigung vom Gericht erlangt haben und nun neu auf dem Markt sind. In solchen Fällen ist es meist ein gutes Zeichen, wenn sie Mitglied in einem anerkannten nationalen Berufsverband sind, wie zum Beispiel dem Berufsverband der Dolmetscher und Übersetzer e.V. (kurz: BDÜ) in Deutschland. Bei fehlender Erfahrung mit einem bestimmten Aspekt der Übersetzung haben sie dadurch die Möglichkeit, sich Hilfe von altgedienten Kolleginnen und Kollegen zu holen.

4. Mitgliedschaft in anerkannten Berufsverbänden

Verbände wie der BDÜ prüfen die Qualifikation und Zuverlässigkeit ihrer Mitglieder. Wer aufgenommen wird, verpflichtet sich zu Professionalität, Weiterbildung und Einhaltung berufsethischer Standards. Außerdem bieten Berufsverbände ein starkes Netzwerk aus Profis, auf deren Hilfe und Erfahrung man bei Bedarf zugreifen kann. Die Mitgliedschaft in einem oder mehreren solchen Berufsverbänden spricht für Professionalität und Seriosität.

5. Weiterempfehlungen und Kundenbewertungen

Positive Rückmeldungen von Kunden oder Kollegen zeigen, dass der Übersetzer zuverlässig arbeitet und überzeugende Ergebnisse liefert. Öffentliche Bewertungen (z. B. auf Google) oder die sogenannten Testimonials bieten zusätzliche Orientierung.

Natürlich ist diese Liste nicht vollständig, aber sie bietet Ihnen eine Orientierung bei der Suche nach kompetenten Sprachmittlern. Jetzt bleibt nur noch die Frage, wie man an gute Übersetzerinnen und Übersetzer kommt.

Wo findet man gute Übersetzer?

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Der Ort, an dem Sie nach einem Sprachmittler suchen sollten, hängt in den meisten Fällen von der Art der Übersetzung ab.

Haben Sie zum Beispiel ein Video, das in einer anderen Sprache untertitelt werden soll, suchen Sie am besten dort, wo es Übersetzerinnen und Übersetzer gibt, die auf Untertitelübersetzung – die sogenannte „audiovisuelle Übersetzung“ – spezialisiert sind. Diese kennen sich am besten mit den besonderen Anforderungen an die Untertitelung aus, die für jedes Land unterschiedlich sind.

Für die Übersetzung einer Bedienungsanleitung sind dagegen Fachpersonen am besten geeignet, die auf technische Übersetzung spezialisiert sind.

Und wenn Sie sich mit Ihrem ausländischen Abschlusszeugnis für ein Studium an einer deutschen Hochschule bewerben möchten, benötigen Sie eine beglaubigte Übersetzung von einem beeidigten, vereidigten oder ermächtigten Übersetzer.

Es ist also zuallererst sinnvoll zu bedenken, was für eine Übersetzung Sie im konkreten Fall benötigen. Nachdem Sie das abgeklärt haben, können Sie sich auf die Suche machen.

Verbandsverzeichnisse

Eine gute erste Anlaufstelle sind die Berufsverbände. Diese stellen Verzeichnisse ihrer Mitglieder zur Verfügung, in denen man nach Übersetzerinnen und Übersetzern für eine bestimmte Sprache und Thematik suchen kann.

Einige Beispiele für Berufsverbände, die solche Verzeichnisse pflegen, sind:

Der Vorteil der Suche in einem solchen Verbandsverzeichnis: Hier werden nur Sprachmittler aufgenommen, die ihre Qualifikation nachgewiesen haben und berufsethische Standards einhalten.

Dolmetscher- und Übersetzerdatenbank

Suchen Sie gezielt nach einem Übersetzer, der eine beglaubigte Übersetzung eines Dokuments für die deutschen Behörden anfertigen soll, können Sie auch in der Dolmetscher- und Übersetzerdatenbank der Landesjustizverwaltungen nachschauen. Dort sind nur Übersetzerinnen und Übersetzer aufgelistet, die von den deutschen Gerichten zugelassen sind, solche Übersetzungen zu machen.

Eigene Websites professioneller Übersetzer

Natürlich können Sie auch einfach „Übersetzer für [Sprache]“ in der Suchmaschine Ihrer Wahl angeben und sich die Internetseiten der aufgelisteten Sprachmittler anschauen. Viele qualifizierte Übersetzerinnen und Übersetzer arbeiten selbstständig und präsentieren ihre Leistungen auf einer professionellen Website.

Worauf Sie hier achten sollten:

  • Impressum mit Angaben zur verantwortlichen Person
    In Deutschland sind geschäftsmäßige Online-Angebote (Websites, Blogs, Social-Media-Profile) impressumspflichtig – fehlt diese Angabe, ist Vorsicht geboten. Wer kein Impressum bereitstellt, macht sich im Zweifel auch schwer überprüfbar.
  • Angaben zu einer Betriebshaftpflicht- sowie einer Vermögensschadenhaftpflichtversicherung
    Diese sind wichtig, wenn ein Fehler in der Übersetzung viel Geld kosten kann, zum Beispiel bei gedrucktem Werbematerial.
  • Angaben zur Ausbildung, Spezialisierung und Berufserfahrung
  • Die Website sollte professionell wirken und sprachlich möglichst fehlerfrei sein
    Mehrere Rechtschreib- oder Grammatikfehler sind meistens kein gutes Zeichen.
  • Aussagekräftige Kundenbewertungen oder Referenzen können Anhaltspunkte dafür bieten, wie die Zusammenarbeit mit dieser Person aussieht.

Berufliche Online-Plattformen

In Online-Netzwerken wie LinkedIn und Xing haben Fachkräfte die Möglichkeit, ihre Qualifikationen, Werdegänge und Spezialisierungen darzustellen. Auch viele qualifizierte Übersetzerinnen und Übersetzer pflegen auf solchen Plattformen ein Profil, auf dem sie ihre Referenzen und fachliche Schwerpunkte präsentieren. Für Auftraggeber bieten diese Plattformen daher eine weitere Option, Übersetzerinnen und Übersetzer gezielt zu finden und direkt zu kontaktieren.

Allerdings ist hier besondere Vorsicht geboten, da die Angaben auf solchen Plattformen eine Art Selbstauskunft und daher nicht vollständig verlässlich sind. Hier findet zum Beispiel keine verpflichtende Prüfung von Zeugnissen, Abschlüssen oder Berufserfahrung statt.

Ähnlich wie bei der eigenen Website eines Übersetzers ist es auf solchen Plattformen ratsam, auf eine möglichst professionelle Präsenz zu achten.

Qualität ist kein Zufall

Professionelle Übersetzungen entstehen nicht zufällig, sondern auf Basis von Ausbildung, Erfahrung und fachlicher Spezialisierung – insbesondere bei amtlichen Dokumenten oder anspruchsvollen Fachtexten. Wer diese Faktoren berücksichtigt, erhält nicht nur eine sprachlich korrekte, sondern auch eine inhaltlich und kulturell stimmige Übersetzung – erstellt von einer qualifizierten Fachperson mit klarer Spezialisierung. Eine bewusste Entscheidung für Qualität zahlt sich langfristig aus.

Autor

Nadezhda Mileva

Hallo, ich bin Nadezhda, staatlich geprüfte sowie öffentlich bestellte und beeidigte Übersetzerin für Bulgarisch und Englisch. Ich unterstütze Privatpersonen und Unternehmen bei beglaubigten Übersetzungen, Fachübersetzungen sowie der Erstellung und Übersetzung von Untertiteln. Zu meinen Schwerpunkten zählen unter anderem Rechtswesen, Finanzen, Kultur und Tourismus sowie Kosmetik.